Mit sehr gemischten Gefühlen fuhr ich nach Brno in Tschechien. Einerseits freute ich mich riesig darauf, Zeit mit meiner Verwandtschaft verbringen zu dürfen. Andererseits wusste ich, dass dieser Wettkampf für mich eine wichtige Standortbestimmung werden würde.
Nach meiner Schulterverletzung, die ich mir kurz vor der Österreichischen Staatsmeisterschaft zugezogen hatte, verlief mein Training in den vergangenen Wochen und Monaten leider nicht so, wie ich es mir gewünscht hätte. Natürlich bin ich unglaublich glücklich darüber, wie gut sich meine Schulter entwickelt hat und was sie mittlerweile schon wieder alles zulässt. Trotzdem war die Vorbereitung alles andere als optimal – gerade im Hinblick auf die bevorstehende Europameisterschaft und den Weltcup in Laval.
Deshalb war für mich klar: In Brno wollte ich herausfinden, wo ich aktuell wirklich stehe. Bin ich schon wieder konkurrenzfähig? Wie belastbar ist meine Schulter unter Wettkampfbedingungen? Und vor allem: Was fehlt mir noch, um bei den kommenden großen Wettkämpfen wieder mein volles Leistungsniveau abrufen zu können?
Auf nach Brno
Auf die Routen freute ich mich allerdings schon im Vorfeld sehr. Diesmal waren Alina und Luis als Routensetzer-Team mit dabei, was für mich eine zusätzliche Motivation war.
Für Tschechien war der Wettkampf gleichzeitig eine Art Probelauf für die Weltmeisterschaft im kommenden Jahr, die ebenfalls in Brno stattfinden wird. Damit bekam der gesamte Aufenthalt noch einmal eine besondere Bedeutung. Es war spannend zu sehen, wie sich die Location auf einen internationalen Großevent vorbereitet und welche Herausforderungen uns dort erwarten könnten.
Am späten Vormittag trafen wir uns und machten uns gemeinsam auf den Weg nach Tschechien. Nach einigen Stunden Fahrt kamen wir am frühen Abend in Brno an. Nachdem wir unser Apartment bezogen hatten, blieb allerdings kaum Zeit zum Ankommen – Registrierung und Technical Meeting standen bereits auf dem Programm.
Dort trafen wir auch erstmals auf das Routensetzer-Team. Nach dem offiziellen Teil verabredeten wir uns gemeinsam zum Abendessen.

Und eines kann ich nach diesem Abend definitiv sagen: Kochen können die Tschechen eindeutig besser, als sie Englisch sprechen können. 😉
Wobei ich mit ein wenig Stolz behaupten darf, dass mein Englisch mittlerweile vermutlich besser ist als das Englisch von 90 Prozent der Tschechen, denen wir begegnet sind. Zumindest hat es für die Kommunikation beim Abendessen gereicht – und das ist ja bekanntlich das Wichtigste!
Wettkampftag – und eine ziemlich durchwachsene Nacht
Am nächsten Morgen war ich froh, dass wir gemütlich Zeit hatten, um zum Venue zu gelangen. Meine Nacht war allerdings ziemlich durchwachsen. Ich hatte es tatsächlich geschafft, eines meiner wichtigsten Medikamente gegen die Spastik zu Hause zu vergessen.
Nicht gerade die ideale Ausgangssituation für einen Kletterwettkampf.
Wir machten uns zu Fuß auf den Weg zur Kletterhalle. So hatte ich zumindest gleich mein erstes Warm-up hinter mir. In der Halle angekommen, brauchten wir allerdings erst einmal dringend einen Kaffee. ☕
Danach begann das richtige Warm-up und kurz darauf durfte ich bereits in meine erste Route einsteigen.

Was soll ich sagen? Die Route war wirklich schön. Gleichzeitig merkte ich aber schon, dass ich mit meiner Spastik zu kämpfen hatte.
Die zweite Route lag mir dann deutlich mehr. Überhang ist mir persönlich einfach oftmals lieber als Balanceklettern. Doch auch hier meldete sich die Spastik schneller zu Wort, als mir lieb war.
Trotzdem konnte ich mich gut von meinen Konkurrentinnen absetzen. Damit war die erste wichtige Hürde geschafft.

Jetzt hieß es: Mittagessen, Kräfte sammeln und den Körper noch einmal für das Finale vorbereiten.
Finale – Zähne zusammenbeißen und kämpfen
Zwei Stunden später hieß es schon wieder: aufwärmen und bereit machen für den letzten Kampf.
Die Finalroute war extrem cool. Ich hätte sie wirklich gerne mehr genossen. Doch die Spastik machte mir schon früh einen Strich durch die Rechnung.
Bereits relativ weit unten musste ich die Zähne zusammenbeißen und richtig kämpfen. Jeder Griff wurde zur Herausforderung. Trotzdem wollte ich nicht aufgeben.

Griff für Griff arbeitete ich mich weiter nach oben. Ich konnte mich bis ins letzte Drittel der Route kämpfen, ehe mich die Route schließlich abwarf.
Damit war es geschafft: eine weitere Goldmedaille war meine! 🥇
Nach diesem Wettkampf war die Freude natürlich riesig. Gleichzeitig war ich ehrlich gesagt einfach nur unglaublich erleichtert und stolz darauf, was mein Körper an diesem Tag geleistet hatte.
Eine besondere Überraschung
Eine besonders schöne Überraschung gab es bei der Siegerehrung.
Der Erstplatzierte hatte zwei Tickets für die Weltmeisterschaft gewonnen und als besonderes Highlight wurden die Preise von Adam Ondra überreicht.
Als wäre das noch nicht genug, wurden anschließend auch unsere Pokale von ihm signiert.
Ein ziemlich besonderer Moment, den man bei einem Wettkampf nicht alle Tage erlebt!
Völlig kaputt machten wir uns nach der Siegerehrung auf den Weg zurück ins Apartment. Dort packten wir unsere Sachen, um noch einmal schnell ins Wasser zu springen, bevor wir uns anschließend mit dem Team zum Abendessen trafen.

Noch einmal zurück an die Wand
Am nächsten Tag durften wir noch einmal an den Wettkampfrouten klettern.
Eine wirklich tolle Gelegenheit, denn wann bekommt man schon die Möglichkeit, nach einem Wettkampf die Routen noch einmal ganz ohne Wettkampfdruck zu erleben?
Mein Körper fand diese Idee allerdings deutlich weniger genial als ich. 😅
Fünf Routen später war dann endgültig Schluss. Wir packten unsere Sachen und traten die Heimreise an.

Mein Fazit
Mein wichtigstes Fazit von diesem Wochenende?
Vergiss nie deine Medikamente. 😂
Aber Spaß beiseite – das war natürlich nicht das Allerwichtigste.
Für mich war Brno eine super Vorbereitung auf die Europameisterschaft und gleichzeitig eine sehr wichtige Standortbestimmung. Ich habe deutlich gemerkt, dass mir durch die vergangenen Wochen und Monate einfach einige Trainingseinheiten fehlen.
Trotzdem darf ich unglaublich dankbar sein.
Dankbar dafür, was meine Schulter mittlerweile wieder leistet. Dankbar dafür, dass ich trotz der schwierigen Vorbereitung wieder Wettkämpfe bestreiten kann. Und vor allem dankbar dafür, was mein Körper an diesem Wochenende geleistet hat.
Jetzt heißt es, die letzten Trainingstage noch einmal voll auszunutzen und meinen Körper bestmöglich auf die Europameisterschaft vorzubereiten.
Dort möchte ich meinen Körper noch einmal ans absolute Limit bringen – und hoffentlich meinen Titel verteidigen können.
Ihr dürft auf alle Fälle gespannt sein … 😉


