Liebes WUFF Tagebuch!
Du kannst dir gar nicht vorstellen, was die letzten Wochen bei mir los war. Mein Frauerl hat ja im letzten Jahr ziemlich viel für so komische Schienen gearbeitet. Sie meinte immer wieder, dass diese Orthesen ganz toll werden und wir damit neue Plätze entdecken können. Ich kann mir das im Moment aber eher weniger vorstellen. Ständig quält sich sich mit komischen Übungen und Gehtraining, immer wieder muss ich einspringen und sie vor einer drohenden überschießenden Spastik warnen. Sie ist mir zwar dankbar, dennoch wäre es auch mal vollkommen okay wenn sie ein wenig Pause machen würde. Ich bekomm definitiv zum wenig bezahlt für das Ganze. 😉
Sie wollte auch deswegen auf Reha gehen, aber die dort meinten, sie darf nur ohne mich kommen. Das kam für mein Frauerl aber gar nicht in Frage. Sie war zwar todtraurig, aber wir wussten beide, dass das ohne mich nicht funktionieren kann. Ich verstehe die Menschen nicht, die einfach nicht akzeptieren können, wie wichtig ich für mein Frauerl bin und dass ich auch für das Personal eine große Unterstützung sein kann. Erstens benötigt mein Frauchen dann weniger Hilfe von ihnen, des Weiteren bin ich auch für ihre Sicherheit zuständig. Ich kann ihr frühzeitig Bescheid geben, dass es besser ist eine Pause einzulegen, denn ich spüre die Spastik viel früher als sie es spürt, geschweige denn als es ein Mensch das sehen kann.
Sie glaubte kurz, dass der Traum der Orthesen nun ausgeträumt sei, doch sie hatte so ein liebes Umfeld das es ihr möglich machte, die Testungen ambulant zu machen und sie wusste auch, dass sie das Gehen lernen mit den Orthesen auch zu Hause schafft, denn sie ist in der Physiotherapie und auch im Olympiazentrum damit wirklich in den allerbesten Händen. Kurze Zeit später war klar, sie versucht einen weiteren Anlauf. Die Testung war ganz komisch. Mein Frauerl wurde in „Probeorthesen“ gesteckt und sollte damit versuchen zu gehen. Wir waren beide ziemlich aufgeregt. Ich legte mich brav in Sichtweite um immer zur Stelle zu sein. Als mein Frauerl am Gehbarren war, konnte ich das auch noch gut aushalten. Irgendwie war sie ja sicher, denn dieser Barren kann ja nicht umfallen und sie sich jederzeit stützen.
Doch dann wollte sie versuchen mit den Krücken zu gehen. Das war mir dann schon etwas gruseliger. Ich hab beschlossen hinter meinem Frauchen herzulaufen um im Fall des Falles bei ihr zu sein. Irgendwann merkte ich, dass es besser wäre eine Pause zu machen. Da machte ich mich liebevoll bemerkbar und wir suchten uns einen ruhigen Platz damit sie sich erholen konnte. Tine meinte dann wir wären eigentlich fertig, aber Frauerl wollte noch unbedingt Stiegen steigen probieren. Kurze Zeit später machte sie das dann auch, sie machte es zwar wirklich gut für ihr erstes Mal, aber mir war definitiv nicht geheuer.
Ein paar Wochen später war dann klar, mein Frauerl hat es geschafft, die Krankenkasse hat ihrdiese Orthesen bewilligt. Es startete ein neues Abenteuer. Zuerst musste mein Frauchen Gipsabdrücke von ihren Pfoten, ah Verzeihung Füßen, machen lassen. Dann kamen irgendwelche durchsichtigen Schienen. Sie musste da schauen, ob sie irgendwelche Druckstellen davon bekommt. Wir waren dann ziemlich oft in Innsbruck um irgendwelche Stellen zu beseitigen. Da das Frauerl in der Therapie etwas übermotiviert war, brach dann auch mal das Fußteil. Gott sei Dank konnte man das relativ leicht richten. Nachdem mein Frauerl das Gefühl hatte jetzt ist alles so wie es sein soll, wurden die Probeorthesen eingeschickt und daraus die richtigen Schienen gemacht.
Ich freute mich tatsächlich mal über die Auszeit die wir hatten, ich konnte wieder ein bisschen mehr entspannen. Doch lange hielt dass leider nicht an. Ich muss ja gestehen, die fertigen Dinger schauen ziemlich cool aus, aber ich bin mir sicher mein Frauerl wird mich in nächster Zeit ziemlich auf Trapp halten damit. Kurze Zeit später fuhr Frauchen auf einen Wettkampf und meinte, ich darf bei Oma und Opa bleiben, um mich ein bisschen von den letzten Wochen und Monaten zu erholen, außerdem kommt ja noch eine weitere spannende Zeit auf uns zu.
Ich hab mein Frauerl sooo vermisst, genoß aber gleichzeitig die Zeit bei meiner kleinen Schwester. Die Freude war riesig als sie dann wieder bei mir war, außerdem hat sie mir versprochen, dass ich zum letzten Wettkampf der Saison mitfahren darf. Bis dahin hat sie auch ihren Trainern ganz fest versprochen nicht mehr zu viel mit den Orthesen zu machen, damit sie nicht noch in ein Übertraining kommt.
Nach dem letzten Wettkampf und einem kurzem Urlaub startete also die harte Arbeit. Mein Frauerl konnte da nur mit Krücken gehen, sie war aber dennoch sehr stolz drauf. Ich hatte allerdings noch große Sorgen wenn sie mit den Orthesen ging. Ab und an musste ich sie auch bremsen. Frauchen konnte auch noch keine großen Strecken bewältigen, denn ihr Rücken fand den Positionswechsel gar nicht cool.
Doch irgendwie ging dann doch alles ganz ganz schnell. Ein paar Wochen später fanden wir uns schon am Bergelsteinersee wieder. Mein Frauerl suchte Strecken die im großen und ganzen eben waren. Anstiege erfordern eine große Kraftanstrengung, was zur Folge hätte, dass der Ausflug recht schnell zu Ende wäre. Dann doch lieber gerade Wege, aber dafür schaffen wir gute Strecken.
Ich bin nach wie vor der aller bravste Hund der Welt, vergiss sogar dass es in den Wäldern Eichhörnchen zum jagen gäbe. Ich muss ja schließlich meinen Job ernst nehmen. Stellt euch vor ich hätte Jagdvergnügen während mein Frauerl sich zu extrem anstrengen muss. Nein, ich bleibe lieber an ihrer Seite, es macht ja immerhin schon Spaß mit ihr mal andere Wege zu ergründen.
Während mein Frauerl am Bergelsteinersee noch mit Krücken am Weg war, konnte sie ein paar Wochen später den Piburgersee schon mit Walkingstöcken besuchen. Ich bin überglücklich, dass Frauchen auch immer einen Menschen an ihrer Seite hat, denn zusammen stemmen wir jede Herausforderung. Ich werde inzwischen auch immer entspannter.
Mein Frauerl trainiert auch im Olympiazentrum hart mit den Orthesen, immerhin hat sie ja ein großes Ziel vor Augen. Fabi (ihr Trainer) unterstützte sie ja schon im Vorfeld, und meinte in der Off Season wäre die Zeit perfekt um mit den Orthesen zu trainieren. Wer weiss, vielleicht gibt es ja auch Vorteile fürs Klettern. Auch wenn die Hoffnung verschwindend gering ist, dass sich durch die Orthesen diesbezüglich etwas ändern könnte.
Woche um Woche vergehen und langsam hat der Winter auch Tirol erreicht. Mein Frauerl freut sich riesig, dass sie unsere Gassirunden nicht im Rollstuhl absolvieren muss, denn Schnee und Rollstuhl sind einfach keine guten Freude. Langsam hab ich auch das Gefühl, mein Frauerl kann nachvollziehen, warum mir der Schnee so viel Spaß macht.
Stellt euch vor, Frauchen hat sogar beschlossen, mit mir und Freunden eine Schneewanderung zum Obernbergersee zu machen. Ich bin soooooo aufgeregt. Inzwischen kann mein Frauerl auch schon einiges an Steigung überwinden, sie braucht nur ein bisschen mehr Zeit. Die soll sie haben, ich kann ja währenddessen eine kleine Schneeballschlacht genießen oder mich einfach mal im Schnee wälzen.
Mein Frauerl hat heute auch zum ersten Mal Bekanntschaft mit dem Tiefschnee gemacht. Irgendwie schaute es schon mega lustig aus als sie einfach so aus dem Stand umfiel. Ich bin natürlich sofort zu Hilfe geeilt, es ist ihr zum Glück nichts passiert, deswegen konnten wir auch schnell drüber scherzen.
Es war unser erster richtig großer Ausflug, auch wenn es meinem Frauerl alle Kraft gekostet hat, war es für uns beide einer der schönsten Winterausflüge die wir je zusammen verbringen durften. Immerhin konnte ich bis dato Bergwanderungen oder Winterwanderungen nur mit Freundinnen von meinem Frauerl erleben, denn im Rolli hat man da wirklich wenig Spaß.
Jetzt muss ich aber auch Mal was komisches loswerden. Mein Frauerl und ich hatten noch nie Zutrittsprobleme in Geschäften. Wir konnten uns beide schwer vorstellen, was so viele andere Assistenzhundeteams so erleben. Doch plötzlich ist das anders. Immer öfter, wenn mein Frauerl und ich mit Orthesen in Geschäften gehen, wo sie uns sonst nicht kennen,wird rumgeschrien was der Hund hier soll oder ich darf nicht hinein. Ich finde das ganze echt schlimm, ich bin ja noch der selbe Assistenzhund wie vorher. Ich bin doch immer noch gleich brav. Warum schreien die Menschen mein Frauchen plötzlich immer wieder an? Sie braucht mich doch mit den Orthesen fast noch mehr als im Rollstuhl.
Gott sei Dank, kann mein Frauerl das ganze ziemlich gelassen nehmen und klärt die Menschen immer ganz ruhig darüber auf, dass ich ein Assistenzhund bin. Nur manchmal reißt meinem Frauerl der Geduldsfaden, wenn es zum Beispiel in einem Geschäft 4 oder 5 Verkäufer gibt, die behaupten, dass ich im Geschäft nichts verloren hab. Also seht es ihr bitte nach, manchmal ist einfach auch mal genug.
Vor allem wenn Frauchen eh schon extrem gefordert ist, weil der Tag schon zu lange andauerte, es ihr schlecht geht oder sie auch einfach damit kämpft, die Einkäufe zur Kassa zu bringen.
Ich hoffe, die Menschen lesen hier fleißig den Blog meines Frauerls und lernen diesbezüglich auch die Wichtigkeit von Assistenzhunden zu erkennen. Ob mit offensichtlicher oder versteckter Behinderung, wer einen Assistenzhund bei sich hat, benötigt diesen dringend. Man darf das auch einfach hinnehmen und muss nicht immer wissen warum genau er benötigt wird.
Da heuer die Silvesterknallerei echt nicht angenehm für mich war, beschloss mein Frauerl am Neujahrstag mit mir ins Halltal zu gehen, sie wollte zum ersten Mal mit Grödeln( Steigeisen ) gehen. Ich freute mich auch schon riesig drauf, doch leider wurde das erstmal unser letzter Ausflug mit den Orthesen. Der Knochen im Sprunggelenk war wohl ordentlich zu viel gefordert, naja was soll ich sagen, von „Null auf Hundert“ in ein paar Wochen war wohl etwas zu viel, und so erfuhr sie schmerzhafterweise was es bedeutet ein Knochenmarksödem zu haben.
Jetzt heißt es ein paar Wochen pausieren, ehe wir wieder langsam in die Welt der Abenteuer eintauchen können.
Ich warte geduldig an ihrer Seite und freu mich schon darauf mehr berichten zu können……