Da dieses Thema in letzter Zeit gefühlt in aller Munde ist, dachte ich mir, ich gewähre euch einen kleinen Einblick in mein Leben mit persönlicher Assistenz. Dieses Thema ist nicht nur Medial gerade sehr präsent, nein, ich bekomme auch immer wieder mit, dass mehr und mehr Menschen mit Handicap sich mit diesem Thema beschäftigen.
Ich will euch einen Einblick gewähren, welche Möglichkeiten es in Tirol gib. Hier sei nämlich eines schon vorweg geschickt, jedes Bundesland verfolgt da seine eigenen Strategien. Die Finanzierungen laufen individuell und auch das Angebot ist ganz unterschiedlich.
Ich selbst habe schon seit vielen Jahren eine PA ( persönliche Assistenz). Über die Jahre haben sich meine Anforderungen geändert und somit auch das Modell mit dem ich Arbeite. Aber mal zurück zum Anfang.
Nachdem ich im Jahr 2016 meinen ersten großen Schub hatte, war ich auf Reha. Dort bekommt man auch eine Sozialarbeiterin an seine Seite gestellt. Diese hilft einem zu evaluieren, wo man im Leben Unterstützung benötigt bzw. was man tun kann, um bestmöglich am „normalen“ Leben teilzuhaben. Für mich war damals ganz klar, ich brenne für meinen Beruf und will diesen auf keinen Fall missen. Dennoch bemerkte ich, dass ich teilweise an meine Leistungsgrenzen komme. Immerhin lebte ich in einem eigenen Haushalt und meine Wohnung war auch nicht gerade klein. Die Casemanagerin erzählte mir von der PA und gab mir einen Kontakt zu einer Firma in Innsbruck die solche Dienste anbot. Kurze Zeit später fand ich mich in den Räumlichkeiten dieses Institutes wieder.
Für mich war klar, ich benötige eine Entlastung, sodass ich meinem Job mit voller Hingabe weiterverfolgen kann. Des weiteren war es für mich schwierig, nach dem Sport noch nach Hause zu fahren, meine Beine hatten ihr Soll schon mit dem Training erfüllt und waren nicht mehr erfreut, dass sie noch ein Kraftfahrzeug kutschieren sollten. Somit stand recht schnell fest, welche Stunden zu welcher Zeit ich benötige. Wir fertigten einen Antrag für das Land aus und meine Sachbearbeiterin machte sich auf die Suche nach einer Assistentin für mich.
Der Antrag wurde recht schnell bewilligt, und auch eine Assistentin war zeitnah gefunden. So verlief die erste Zeit ziemlich reibungslos. Ich wurde von meiner PA im Haushalt unterstützt und eine weitere brachte mich zu meinen Trainings und holte mich von dort auch wieder ab.
Über die Jahre veränderten sich, durch fortschreiten meiner Erkrankung, auch meine Anforderungen. Noch dazu zog Chiara bei mir ein. Im Sommer konnte Ich mich zwar wunderbar um meine Maus selber kümmern, im Winter forderte oft die Erkrankung morgens ihren Tribut. Ich benötigte Hilfe beim Aufstehen und oft auch beim morgendlichen Gassi gehen. Nach meinem Unfall brauchte ich noch einmal mehr Unterstützung. Ich bemerkte schnell, dass das Modell welches mir dieses Institut bot, leider nicht mehr zu mir passte. Es fehlte mir an Flexibilität, denn im Sommer war weniger Assistenz nötig als im Winter. Ich brauchte meine fixen Stunden, dazu aber auch flexible Zeiten, welche ich eben nicht schon Wochen im voraus planen konnte.
Ich nahm Kontakt mit dem Land auf, schilderte ihnen mein Problem und erklärte ihnen, dass ich dieses Modell auslaufen lassen werde, fragte ob es noch andere Möglichkeiten gäbe.
Dies wurde schnell bejaht und die Dame erklärte mir das Arbeitgebermodell. Das war weitaus flexibler, noch dazu konnte man die Mehrstunden, welche ich im Winter benötige, sowie Urlaub oder Krankheit meiner PA via Dienstleistungsscheck abfedern. Der einzige Haken, man ist eben Dienstgeber, man muss seine Assistenz selbst suchen, diese anstellen, Gehälter auszahlen usw.
Für mich stellte das ganze eigentlich wenig Herausforderung dar, durch meine Position als Leitung einer Kinderkrippe war ich mit den meisten Sachen vertraut, und Gehälter überweisen sollte nun wirklich mein kleinstes Problem sein. Nachdem der Antrag gestellt war, machte ich mich also auf die Suche nach Mitarbeitern. Die Sache sollte eigentlich keine Hexerei sein, dachte ich zumindest. Naja in erster Linie muss Chiara mit der neuen PA klarkommen, dann sollte sie auch eine sympathische Person sein, welche mir etwas Halt vermittelt. Immerhin arbeitet man schon auch sehr intim zusammen. Des weiteren suchte ich noch eine PA die mir als Freizeitassistenz zur Seite steht. Hier waren die Aufgaben ganz klar, gut klettern können und sichern. Ihre Aufgabe war es mir Routen einzuhängen und mich zu sichern. Das Thema mit dem Heimfahren hat sich ja inzwischen erübrigt, immerhin fahre ich seit meinem Unfall ein Auto mit Handgas.
Als wir für beide Stellen jemanden gefunden haben, war ich überglücklich. Das System lief von Anfang an reibungslos. Ich hatte zwei ganz nette Mädels gefunden, welche die Hauptaufgabe übernahmen. Auch für den Winter konnten schnell einige „Springer“ gefunden werden. So verlief auch einige Zeit richtig gut. Nachdem ich dann an der Schulter operiert werden musste, veränderte sich kurzfristig das Arbeitsprofil meiner Freizeitassistenz. Denn an klettern war zu dieser Zeit nicht zu denken. Aber ich benötigte Unterstützung bei der Körperpflege, noch dazu kam ich auch abends in der ersten Zeit nicht alleine ins Bett, außerdem konnte ich auch nicht mit Chiara Gassi gehen. Für meine PA stellte dieses Szenario Gott sei Dank kein Problem dar. Sie übernahm die Abenddienste, morgens war ich ja gut versorgt.
Dennoch waren alle Beteiligten einfach nur froh, als wieder Alltag einkehrte und ich wieder selbstständiger war. Dieses Arbeitgebermodell war und ist für mich der Gamechanger auch wenn es natürlich nicht immer leicht ist, die passende Assistenz zu finden. So musste ich auch schon mal ein paar Wochen ohne Assistenz leben, aber das ist nun mal Part of the Game. Es ist eben nicht immer leicht, auf Anhieb die richtige Person zu finden, manche können sich auch besser verkaufen als es dann ist, oder Chiara streikt. Ich will euch nicht vorenthalten, dass es hier oft zu Schwierigkeiten kommen kann. Möchte euch aber Mut machen, denn ich habe dieses Modell inzwischen seit 4 Jahren und bin die meiste Zeit einfach nur überglücklich. So wie zur Zeit. Ich habe wieder 2 ganz nette Mädels die mir meinen Alltag erleichtern.
Natürlich war es für mich kein einfacher Schritt diesen Weg zu gehen, ich musste mir eingestehen, dass die Hilfe die mir durch meine PA geboten wird, kein Zeichen von Schwäche ist. Nein ganz im Gegenteil, es bietet mir Freiheit. Anfangs war es die Freiheit weiterzuarbeiten, denn mein Job forderte viel Energie, wenn ich diese Energie aber dann für den Haushalt verbraucht hätte, wäre ich wirklich nur noch eine Maschine gewesen. So konnte ich Nachmittags auch einmal etwas unternehmen oder wirklich einfach nur auf der Couch entspannen.
Irgendwann bot es mir die Freiheit mein eigenes, selbstbestimmtes Leben zu leben. Ich entscheide, wer mir in welcher Situation zur Seite steht, und außerdem darf ich entscheiden zu welchen Uhrzeiten dies passiert.
Inzwischen ist meine Erkrankung weiter fortgeschritten und ich benötige Unterstützung wenn ich bestimmte Ziele verfolge. So kann ich jetzt entscheiden, wer mit mir zu einem Wettkampf fährt und mich dort unterstützt, oder mich bei der Heimreise begleitet, sodass ich nicht noch irgendwo übernachten muss.
Ich liebe diese Freiheit, ich liebe mein Leben, auch wenn es anders ist als man es sich manchmal wünscht. Ich weiß aber, ich hab immer die richtige Unterstützung an meiner Seite, ich brauch mich nie „schwach“ zu fühlen, denn da wo ich anstehe, ist eine Person die mit mir den Weg bestreitet.
Ich kann jedem nur ans Herz legen, holt euch Unterstützung um ein selbstbestimmtes, langes, lustiges und unkompliziertes Leben leben zu können. Ihr seit nicht schwach, in dem Moment wo ihr Hilfe zulassen könnt, seit ihr stärker als ihr am Tag zuvor ward.